Cineastische Impulse
April 28, 2010
Das Symposium 2 hat einige bemerkenswerte Impulse geben können, die nun sehr wahrscheinlich nicht nur im Seminar Illusionen und politische Visionen des Orients: die Wahrnehmung Palästinas in Europa vor 1936 weiter vertieft werden.
Vor allem die Auseinandersetzung mit den innovativen Formen der musikalischen Begleitung dieser Bildquellen ist eine spannende Herausforderung, denn sie provozierte die Frage der Hermeneutik im Umgang mit den Filmen. Kommentiert die Musik die Bilder oder paraphrasiert sie mit eigenen Mitteln die Strukturen des Filmes? Legt die Musik auf diese Weise Momente des Filmes frei, die weit mehr vermitteln als emotionale Verstärkungen? Eine Diskussion, die auch zeigte, dass moderne Musikformen durchaus eine aktuelle Annäherung an Stummfilme erleichtern, sie sogar zu einem Erlebnis machen können.
Doch vom historischen Standpunkt aus ist ein solcher Umgang nicht unkompliziert. Auch wenn die Originalmusik für “Frühling in Palästina” leider nicht zur Verfügung stand, wäre letztlich gerade diese Version aufschlußreich für die damalige Rezeption gewesen, so der Einwand einer Historikerin. Tatsächlich konnte Prof. Dr. Klein auf Materialien zu Max Lampel, dem Komponisten der Filmmusik von 1928, hinweisen, die im Jewish National and University Library Jerusalem einsehbar sind. Ob allerdings in diesen Archivbeständen auch die Partitur zum Film zu finden ist, ist gegenwärtig noch unklar. Hier wäre noch eine Menge weitere Arbeit zu leisten, um die Zusammenhänge und Hintergründe dieser aufwendigen Produktion aus jenen Jahren nachzuvollziehen.
Bleibt auch zu hoffen, dass mehr über den Regisseur Joseph Gal-Ezer über das Central Zionist Archives in Jerusalem zu erfahren sein wird.
Von Joseph Gläser zu Joseph Gal-Ezer
April 22, 2010
Joseph Gal-Ezer bleibt im Moment noch der Unbekannte unter den Regisseuren dieses Symposiums. Der gebürtige Österreicher, geboren 1890 in Wien, hieß Joseph Gläser und gab sich dann später in Palästina den hebräischen Namen Joseph Gal-Ezer. Der auf dem Symposium präsentierte Dokumentarfilm „Frühling in Palästina“ von 1928 warb für die jüdische Besiedlung in Eretz Israel und war an das deutschsprachige Publikum adressiert. Bemerkenswert ist, dass dieser Film verhältnismäßig aufwendig war und von den Gründungs-und Stiftungsfonds Keren Kayemeth Le-Israel und Keren Hayesod unterstützt wurde. Der Film erzählt mit emphatischen Bildern von den Dimensionen des Aufbaus und der Entwicklung jüdischer Siedlungsprojekte in Palästina der 20er Jahren. Was heute eher befremdet und an sozialistische Propaganda erinnert, war in jenen Jahren geradezu modern und entsprach den populären ästhetischen Vorstellungen politisierter Massen. Der Kameramann dieses Filmes war Yaacov Ben Dov. 1930 drehte Joseph Gal-Ezer den Film „Kfar Yeladim“, der allerdings nicht an die Bildsprache des „Frühling in Palästina“ heranzureichen scheint. Später arbeitete er auch als Fotograf, der zusammen mit Zoltan Kluger und Philip Halsman 1937 auf der Pariser Weltausstellung im „Palestine Pavillon“ Fotos von Eretz Israel präsentierte. Er starb 1945 in Palästina.
FILMEN FRA DET HELLIGE LAND – der Film vom Heiligen Land
April 18, 2010
Dieser Streifen von Gunnar Sommerfeldt aus dem Jahr 1924 dürfte wohl eine der großen Überraschungen bei diesem Symposium sein. Aufmerksam wurde wir auf den Film in der Cinematografie des Holocaust des Fritz-Bauer Instituts. Dieser Dokumentarfilm, der unseres Wissens nach 1933 nicht mehr in Deutschland gezeigt wurde, präsentiert historische Aufnahmen von Palästina, wie sie nur selten zu sehen sind. Sehr deutlich kann man hier nachvollziehen, wie in Europa die Region wahrgenommen wurde: eine Landschaft des Religiösen. Die Bilder zeigen kaum bewohnte Weiten oder Zentren, in denen sich Menschenmassen zu spirituellen Festen versammeln und feiern. Bemerkenswert, wie die britische Mandatsherrschaft hier im Hintergrund bleibt, wie wenig ihre Präsenz in den Bildern dokumentiert wird.
Die schwierige Perspektive des Symposiums
April 14, 2010
Dieses Jahr werden Filme auf dem Symposium präsentiert, die zum einen eine Kontinuität zum vorausgegangenen Symposium darstellen und zum anderen Premiereaufführungen in Heidelberg sind. Darüber hinaus aber zeigt das Symposium eine bemerkenswerte Aktualität, was man bei Stummfilmveranstaltungen so nicht erwartet: Palästina – Das Heilige Land im frühen Film ist nicht nur wegen des diesjährigen Schwerpunktthemas des Heidelberger Stückemarktes von Interesse, sondern auch wegen der zunehmenden Relevanz des religiösen Diskurses ein spannendes Thema.
Das Symposium sucht eine Annäherung an diese schwierigen Themen über einen Umweg. Mit den frühen Filmen und der Fotografie sollen Spuren nachvollzogen werden, deren Wirkungen, Motive und Illusionen heute noch nachklingen. Weniger Parteinahme als vielmehr ein Raum für Beobachtungen und Gespräche will das Symposium sein, denn die Bilder erzählen im wesentlichen mehr vom Blick des Okzidents auf das Heilige Land als von Palästina selbst.
Es dürfte interessant werden, ob das Publikum die fragilen Freiräume in dieser Auseinandersetzung wahrnehmen und nutzen wird.
Stummfilm-Symposium 2 Faszinierendes Zelluloid
März 16, 2010
Palästina – das Heilige Land im frühen Film lautet der Schwerpunkt des Stummfilmsymposiums. Vom Unterhaltungsfilm über die Agit-Dokumentation bis zum Schnappschuss der Orientreisenden – stets zeigt sich Palästina als ein Land der Sehnsucht, das gekennzeichnet ist von Erwartungen und Illusionen, aber auch Missverständnissen und Konflikten. In diesem Zusammenhang interessiert uns vor allem, wie diese Vielfalt an Eindrücken in Bildern des frühen 20. Jahrhunderts wiedergegeben wird.
Mit dem Ende des Shabbats (21:30 Uhr) am Samstag, den 24.04. beginnt die Veranstaltung mit „Judith of Bethulia“ (USA 1914). Den Vortrag dazu hält Dr. Regina Heilmann. Fortgesetzt wird das Symposium am Sonntag um 11:30 Uhr mit einem Brunch und einer Ausstellung. Ab 14:45 Uhr wird Dr. Claude Sui mit einem Vortrag die frühen Reisebilder in der Fotografie erläutern, danach werden ab 16:00 Uhr die Dokumentarfilme aus den 20er Jahren zu sehen sein. Abgeschlossen wird das Symposium mit dem Film „The Ten Commandments“ (USA 1923) und einer Zusammenfassung der Beobachtungen.
Besonders gespannt darf man auf die musikalische Begleitung sein, die wieder von Studierenden des Musikwissenschaftlichen Seminars der Uni Heidelberg eingespielt wird.
Stummfilm-Symposium in Heidelberg
März 14, 2010
Der Termin ist nun offiziell: das zweite Stummfilm-Symposium in Heidelberg wird am 24.-25. April 2010 im Karlstorkino Heidelberg.
Wieder realisieren Studentinnen und Studenten verschiedener Fakultäten in Zusammenarbeit mit dem Medienforum Heidelberg, der Hochschule für Jüdische Studien und der Kineskop-Filmschule diesen ungewöhnlichen Event.
die Rückkehr der Heidelberger Stummfilmwelt
September 28, 2009
In Heidelberg trifft sich seit längerem eine kleine Gruppe von Filmenthusiasten, die das kommenden Stummfilmsymposium vorbereiten. Diese Gruppe stellt sich – wohl als einzige in Heidelberg – den Herausforderungen filmwissenschaftlicher Arbeit. Das ist insofern bemerkenswert, dass offensichtlich in einer Universitätsstadt wie Heidelberg die Filmforschung keinerlei Beachtung findet. Umso erstaunlicher das Engagement dieses Kreises, der seine Ergebnisse im kommenden Jahr wieder präsentieren wird. Eine weitere Initiative ist die Idee der Glashaus-Gesellschaft, die Jo Bauer inittiert hat. Sie ist vorläufig in der Kineskop integriert. Zudem planen nach dem ersten Erfolg mit “Geschwisterliebe” das Medienforum Heidelberg und die Opernpädagogik des Stadttheaters Heidelberg ein zweites Stummfilmprojekt. Wünschenswert wäre doch, dass all diese Initiativen zusammengeführt und gebündelt werden.
