Der tanzende Tor (Klovnen) von 1926

Januar 28, 2012

von Denis Peters

Anders Wilhelm Sandberg (1887 – 1938) war einer der bedeutendsten Regisseure, der für die Nordisk Film arbeitete. Die Nordisk war zum Beginn des 20.Jahrhunderts die erfolgreichste Filmproduktionsfirma Europas. Anfang der 20er Jahre wurde die finanzielle Lage für die Nordisk immer schwieriger, die eine starke Fluktation bei den angestellten, talentierten Regisseuren zur Folge hatte. Die letzte Produktion, die Sandberg für Nordisk in Angriff nahm, war zugleich seine erfolgreichste.

Sandberg nahm die schon 1916 geschriebene und 1917 erstmals verfilmte Geschichte Mitte der 20er Jahre wieder auf. Die erste Verfilmung hatte guten Anklang bei den Zuschauern gefunden, was vielleicht u.a. der Besetzung des Clowns durch den damals legendären Schauspieler Valdemar Psilander zu verdanken war. Leider nahm sich Psilander kurze Zeit nach der Premiere das Leben.

Für die Neuverfilmung holte sich Sandberg Unterstützung von dem Drehbuchautor Poul Knudsen. Er veränderte das alte, eher „naive“ Drehbuch in eine tragische Geschichte, ohne jedoch die Vorliebe Sandbergs für Happy Ends aus dem Auge zu verlieren. So gestaltete er ein halbwegs glückliches, versöhnendes Ende, als der Clown Joe mit der Tochter der verstorbenen Daisy zusammenkommt.

Der Film handelt von einem Clown namens Joe Higgins, der in einem Wanderzirkus unter der Leitung von James Banding durch Frankreich reist. Seine Nummer ist der „singende Tor“. Eines Tages bekommt Joe ein Angebot, in Paris seine Clownnummer aufzuführen. Er nimmt das Angebot an, unter der Voraussetzung, dass seine Frau Daisy und deren Eltern mitkommen können. Joe wird in Paris zu einer gefeierten Persönlichkeit, die sich ganz der Kunst verschrieben hat. Über dieses Engagement vernachlässigt er seine Familie, vor allem Daisy.

Ihr unbeschwertes Leben langweilt sie, so dass sie Ablenkung sucht und dabei dem charmanten Designer Marcel Philippe verfällt. Als die Affäre nicht mehr zu verbergen ist, gibt Joe Daisy enttäuscht auf. Sie verlässt ihn und ihre Famile.

Daisys Abwesenheit stürzt Joe in eine tiefe Trauer, vor der er in den Alkohol flieht. Diese Situation treibt langsam, aber sicher seine Karriere in den Abgrund.

Daisys neues Glück währt aber nicht lange. Marcel lässt sie sitzen, nachdem sie ihr erstes Kind bekommen hat. In ihrer Verzweiflung sucht sie ihr altes Zuhause auf, wo sie hofft, Joe wiederzusehen. Als sie aber dort auftaucht, findet sie nur den Vater, der sie empört über ihre Tat verjagt. Ohne Hoffnung auf eine Versöhnung mit Joe stürzt sich Daisy in die Seine.

Die Einsamkeit und der Alkohol beenden schließlich die glänzende Karriere von Joe in Paris. Er tritt nur noch in einem kleinen Zirkus mit einer zweitklassigen Nummer auf. Seine Auftritte zeugen nicht mehr von dem Glanz und der Hingabe, die ihm einst Ruhm brachten. Joes Leben nimmt aber nochmal eine Wendung, indem er durch einen glücklichen Umstand von der Tochter der verstorbenen Daiys erfährt und sie trifft.

„Klovnen“ war ein sehr erfolgreicher Film, aber trotz der hohen Einnahmen konnte die Nordisk nicht in der alten Form gerettet werden. Erst der Finanzier Carl Bauder und dessen Partner, der Fabrikant Valdemar Selmer Trane, strukturierten ab 1929 die Nordisk zur „Nordisk Films Kompani“ um. Somit war „Klovnen“ das glanzvolle Ende der Nordisk und gleichzeitig Sandbergs Meisterstück.

Es ist nicht einfach zu sagen, wieso gerade dieser Film so erfolgreich war. Es ist wahrscheinlich die Symbiose aus dem überarbeiteten Drehbuch, der kunstvollen filmischen Handschrift und der Starbesetzung. Auch für die Neuverfilmung konnte Sandberg einen hervorragenden dänischen Schauspieler für die Rolle des Clown Joe Higgins gewinnen. Gösta Ekman hatte sein schauspielerisches Können schon in der „Faust“-Verfilmung von Murnau bewiesen, mit der er in Deutschland bekannt war. Die Besetzung der Daisy war weniger spektakulär. Karina Bell war, wie auch Ekman, ein gefeierter dänischer Star. Nicht nur die Zuschauer in den Kinosälen fanden großes Vergnügen an diesem Film. So schrieb denn der Autor Palle Rosenkranz nach dem Drehbuch einen Roman „Der tanzende Tor“.

Der Film überzeugt an schönen und harmonischen Einstellungen, wobei die statische Kameraführung nicht weiter auffällt. Obwohl „Klovnen“ schon 1926 gedreht wurde und die technischen Möglichkeiten ausgereifter gegenüber der Version von 1917 waren, blieb Sandberg seinem Stil treu. Die Treue findet sich nicht nur in den harmonischen Bildern, sondern auch auch in seiner Detailverliebtheit wieder. Dadurch lässt sich auch die Länge des Films erklären, der trotz seiner 128 Minuten emotional fasziniert.

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